Reisebericht: DPRK / Nordkorea – Das vielleicht außergewöhnlichste Reiseziel der Welt

Atilla Wohlebe - Selfie in Pjöngjang, Nordkorea am Kim Il-Sung Square

Selfie (Kim Il-Sung Square, Pjöngjang)

Ich habe Nordkorea vom 13. bis zum 19. April 2017 anlässlich des 105. Geburtstags von Kim Il-Sung im Rahmen einer organisierten Gruppentour besucht. In diesem Reisebericht zu Nordkorea möchte ich meine Erfahrungen und einen Eindruck davon vermitteln, wie es ist, das vielleicht außergewöhnlichste Reiseziel der Welt als Tourist zu besuchen.

Gliederung des Artikels

Prolog: Motivation & Rahmenbedingungen
1. Akt: Pre-Tour Briefing
2. Akt: Einreise
3. Akt: Sightseeing
4. Akt: Was es sonst so zu sehen gibt
5. Akt: Essen
6. Akt: Ausreise
Epilog: Fazit zur Reise
Anhang I: Kostenübersicht
Anhang II: Mitreisende

Prolog: Motivation & Rahmenbedingungen

Warum will man ausgerechnet nach Nordkorea und wie kommt man da hin?

Mit der Krankheit und dem späteren Tod Kim Jong-Ils rückt die „Demokratische Volksrepublik Korea“, kurz DPRK, bekannt als Nordkorea, irgendwann zu Zeiten meines Abiturs im Jahre 2011 in den Fokus der Medien und damit auch in meinen persönlichen. Eher aus einer Laune heraus und damals ironisch gemeint entsteht in einem Gespräch mit einem guten Freund der Gedanke „Nordkorea? Lass mal hinfahren!“.

Jahre später weckt Youtube mein Interesse an der DPRK erneut. Ich tauche in die Welt des Nordkorea-Tourismus ein, gucke ein paar Videos, google ein paar Reiseveranstalter.

Im Jahr 2016, mit dem Abschluss meines Master Studiums dann, habe ich gefühlt alles an Video-, Bild- und Textmaterial durch, was das Netz so hergibt. Was bleibt, ist die pure Neugierde und genau die motiviert mich. Im September 2016 beschließe ich: „Ich fahre nach Nordkorea. Im November wird gebucht. Komme was wolle.“

Im November dann mache ich meine „Drohung“ wahr – ich buche meine Reise, die „Kim Il-Sung Birthday Tour“ mit „Five nights in the DPRK and one night on the train“ bei Koryo Tours. (Im Nachhinein stellt sich heraus: Es war der richtige Reiseveranstalter. Ich kann das Unternehmen nur wärmstens empfehlen!) Im April 2017 soll es also dann losgehen.

Vor lauter Spannung halte ich es kaum noch aus: Das Buch „Nordkorea – Innenansichten eines totalen Staats“ (Amazon Link – Affiliate) lässt mich im Dezember 2016 / Januar 2017 gefühlt noch viel tiefer als jede Doku in das Land eintauchen.

Im März & April 2017, direkt vor der Reise, verändert sich die weltpolitische Lage mit Blick auf Nordkorea massiv. Zweifel und ja, auch Angst, kommen auf – Donald Trump schickt einen Flugzeugträger, mein britischer Tour Manager beruhigt mich: Wohl noch nie hatten politische Spannungen einen echten Einfluss auf den Tourismus in Nordkorea. Mir hilft das. Ich beschließe also, tatsächlich zu fahren. (Jamie, thank you so much! I really had some serious doubts, but in retrospect it was totally the right decision to travel the DPRK!)

1. Akt: Pre-Tour Briefing

Wie funktioniert Touristen-Dasein in der DPRK?

DPRK - Koryo Tours - Nordkorea - Pyongyang / Pjöngjang Mansudae Monument

Zu Besuch am Großmonument Mansudae

Zugegeben: Ein Land wie Nordkorea zu bereisen ist absolut nicht vergleichbar mit einer Reise nach Italien oder nach Mallorca. Die DPRK ist auch kein Reiseziel für Menschen, die „so ganz frei“ und „einfach mal so“ „in den Tag hinein“ ein Land „erkunden“ möchte – sämtliche Touren finden in Begleitung koreanischer Reiseleiter (Tour Guides) statt, sind in der Regel nur über einen entsprechenden Reiseveranstalter buchbar und werden gründlich geplant.

Wer nach Nordkorea reisen möchte, sollte vor allem eines können: Die –  für mich als Europäer ungewohnten – Regeln akzeptieren. Die sind extrem einfach zu verstehen, in der Umsetzung jedoch nicht immer trivial (eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Fotographie besser nur nach Rücksprache usw. usf.). Wer in die DPRK reist, erhält im Regelfall vorab ein entsprechendes Briefing. Um den Rest kümmern sich der Zoll und die koreanischen Tour Guides.

2. Akt: Einreise nach Nordkorea

Wie kommt man in ein Land, in das man doch eigentlich gar nicht einfach so reinkommt?

Gemessen an dem, was ich erwartet habe, funktioniert die Einreise nach Nordkorea ganz einfach. In meinem Fall sieht das so aus:

Am Donnerstag Nachmittag, den 13. April, steigen wir am Airport Peking in ein Maschine der Airline „Air Koryo“ (Wikipedia Artikel), deren Burger übrigens als legendär gilt. Während des Fluges bewundern wir zum Reiseziel passende, landestypische Musikdarbietungen auf den Screens.

Selfie mit einem unserer Tour Guides 🙂

Am späten Nachmittag, nach rund einer Stunde Flugzeit, landen wir dann am Airport Pjöngjang (FNJ / Flughafen Sunan, Wikpedia Artikel). Uns erwarten die üblichen Verfahren bei Einreisen in Länder, für die man ein Visum braucht, und eine Zollkontrolle, die teilweise auch die Sichtung von mobilen Endgeräten sowie von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen einschließt.

Direkt nach der Zollkontrolle warten unsere koreanischen Tour Guides auf uns, die wir hier zum ersten Mal treffen – sie werden uns während der gesamten Reise bis zum Tag der Ausreise begleiten.

3. Akt: Sightseeing

Was gibt es in Nordkorea für Sehenswürdigkeiten?

Gerne möchte ich die Frage nach den Sehenswürdigkeiten in Nordkorea mit einer kleinen Bildergalerie beantworten. Darauf zu sehen sind zum Beispiel das Denkmal zur Gründung der „Partei der Arbeit Koreas“, die demilitarisierte Zone (also der Grenzübergang von Nord- und Südkorea, hier mit Blick vom Norden in den Süden hinein) sowie der Kim Il-Sung Square, auf dem auch die Militärparade anlässlich des 105. Geburtstags Kim Il-Sungs stattfand.

Wer in die DPRK reist, der sollte sich mit Blick auf die Sehenswürdigkeiten einer Sache bewusst sein: Praktisch jede Sehenswürdigkeit hat einen Bezug zu (mindestens) einem der drei Führer, kaum ein Schritt hat keinen politischen oder ideologischen Bezug.

Wer mich nach meinem persönlichen Favoriten unter den Sehenswürdigkeiten fragt, dem werde ich vermutlich die demilitarisierte Zone nennen. Kaum an einem anderen Ort ist mir so bewusst geworden, wie sehr die Wahrnehmungen derselben Realität abhängig von der Perspektive auseinanderdriften können. (Vor dem amerikanischen Exemplar des unterschriebenen Friedensvertrages steht die Flagge der Vereinten Nationen. Ich hatte das „naiverweise“ gedacht, dass die Amerikaner damit vermitteln wollten, dass sie den Frieden im Namen der Weltgemeinschaft schließen – der Hintergrund aus nordkoreanischer Perspektive ist natürlich ein anderer: Die Amerikaner haben sich geschämt, ihre eigene Flagge dort zu positionieren, weil sie so viel Leid über das Land gebracht haben. Sie haben deshalb lieber die UN Flagge aufgestellt, um die Schuld von sich zu weisen.)

Zum Abschluss des dritten Aktes noch das folgende Bild vom Juche Tower, der in einer Linie mit dem Kim Il-Sung Square gebaut wurde. (Deutsche Bezeichnung: Monument der Chuch’e-Ideologie – s. Wikipedia)

Juche Tower / Monument der Chuch’e-Ideologie in Pjöngjang / Nordkorea

Juche Tower / Monument der Chuch’e-Ideologie in Pjöngjang / Nordkorea

4. Akt: Spannende Einblicke abseits des Sightseeing

Was macht eine Reise nach Nordkorea abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten so interessant?

Die zuvor genannten Sehenwürdigkeiten – Monumente, Statuen, Gebäude mit viel Symbolik – sind sicherlich im Fokus vieler Touristen und ihrer Kameras. Gleichzeitig gibt es aber auch viele andere Momente, die man auf einer Reise nach Nordkorea vielleicht nicht unbedingt erwartet. Vielleicht gerade deshalb sind es auch diese kleinen, woanders teils völlig selbstverständlichen Dinge, die man in Nordkorea antrifft, die die Reise so besonders machen. Einen Auszug zeige ich auf den folgenden vier Bildern:

Wir haben während unseres Aufenthalts als Gruppe in Nordkorea unter anderem

  • den staatlichen Zirkus (Übrigens: Wirklich eine verdammt gute Show und das sogar ohne Tiere!) besucht,
  • sind mit der U-Bahn gefahren (Die prunkvoll gestalteten Stationen erinnern an Moskau, die gesamte Anlage scheint zudem auch militärische Funktionen erfüllen zu können, die Züge stammen wohl aus (ehem. Ost-) Berlin.),
  • waren in einem vor kurzem eröffneten Freizeitpark (u. a. mit Schiffsschaukel, Achterbahn, Free Fall Tower),
  • haben im einzigen öffentlichen Bowling Center der DPRK eine Runde die Pins fliegen lassen
  • und eine Shooting Range besucht (Zur Wahl standen u. a. ein älteres Pistolenmodell aus deutscher Fertigung sowie eine AK-47. Zudem konnte man für 5 US Dollar Hühner mit einem Jagdgewehr in einem Käfig schießen – einer Beschäftigung, der ein Koreaner vor Ort nachging und sich die Hühner anschließend als Mahlzeit einpacken ließ!).

5. Akt: Essen

Wie ist die Verpflegung, wenn ich in die DPRK reise?

Ich habe mich entschieden, die Frage nach dem Essen mit nur wenigen Worten, dafür aber einigen Bildern zu beantworten. Wer Bedenken wegen der Verpflegung als Tourist hat, dem sei gesagt: Es wird sehr darauf geachtet, dass man als Tourist reichlich auf den Tisch bekommt. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Probleme mit Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.

Zugegebenermaßen muss ich gestehen, dass mich die Verpflegung sogar äußerst positiv überrascht hat.

6. Akt: Ausreise

Warum lohnt es, einen vollen Tag in eine Zugfahrt zu investieren?

Nachdem ich nun hoffentlich einige Eindrücke vermitteln konnte, was einen in der DPRK als Tourist so erwartet, möchte ich zum Schluss noch einen Tipp zur Ausreise geben: Wer von seinem Reiseveranstalter vor die Wahl gestellt wird, die DPRK per Flugzeug oder per Zug zu verlassen, dem kann ich – entsprechende Zeit vorausgesetzt – die Zugfahrt nur wärmstens empfehlen:

DPRK-Koryo-Tours-April-2017-Abschied-Bahnhof-Sophia-Jamie-Simon

Abschied von Pjöngjang am Bahnhof (v. l. n. r.: ich (Tourist), Jamie (Tour Manager bei Koryo Tours), Sophia (Touristin) & Simon (Managing Director bei Koryo Tours)

Von Pjöngjang geht es per Liegewagen nach Sinuiju, die letzte koreanische Stadt vor der chinesischen Grenze. Dort wartet eine rund anderthalb- bis zweistündige Zollkontrolle, nach der die Fahrt in die chinesische Stadt Dandong fortgesetzt wird. Nach einem Umstieg in einen chinesischen Zug geht es dann overnight nach Peking – ein Erlebnis, das gerade Reisende, die schon immer mal Nachtzug fahren wollten, lieben dürften. Die Fahrt erlaubt darüber hinaus nochmal einige Einblicke in die „countryside“ Nordkoreas.

Besonders bewegend war für mich der eigentliche Grenzübertritt: Schon Minuten zuvor kündigt sich Dandong mit seinen Wolkenkratzern am Horizont an. Die eigentliche Grenzpassierung erfolgt dann über eine Brücke – eine Brücke, wie sie symbolträchtiger kaum sein könnte!

Epilog: Fazit zur Reise

Was bleibt, was kommt?

Eine Reise in die DPRK ist definitiv etwas anderes als eine Woche Urlaub auf Mallorca. Genau deshalb habe ich mir am Ende die Frage gestellt, was von der Reise bleibt… Antworten geben die folgenden Stichpunkte:

  • Ich weiß Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie mehr als je zuvor zu schätzen.
  • Ich habe mir mit der Reise einen langjährigen Traum erfüllt.
  • Ich habe eine Erfahrung gemacht, deren Eindrücke ein Leben lang bleiben.
  • Ich glaube, zwar einen kleinen, aber eben doch einen Beitrag geleistet zu haben, die Menschen in Nordkorea neugierig auf die Welt um sie herum zu machen.
  • Ich konnte fühlen, was es bedeutet, sich nicht einfach nach Belieben bewegen zu können.
  • Ich stelle fest, mit Koryo Tours einen wirklich guten, vielleicht sogar den besten Reiseveranstalter gefunden zu haben, um die DPRK zu bereisen.
  • Ich habe ein gewisses Verständnis (hier bitte abzugrenzen von „Zustimmung“ bzw. „einer Meinung sein“) für die Politik eines Landes aufgebaut, das die Welt eigentlich nur aus den Medien kennt.
  • Ich glaube, das ein Land mehr ist als die Menschen, die es führen, und die Medien, die darüber berichten.
  • Ich durfte erleben, dass auch in Nordkorea Menschen leben – Menschen wie du und ich.

Was darüber hinaus bleibt, sind viele Namen und Gesichter, von Menschen, mit denen ich ein paar spannende Tage und einige großartige Erlebnisse teilen durfte.

Anhang I: Kostenzusammenfassung

Was kostet eine Reise nach Nordkorea?

Natürlich habe ich mir erlaubt, eine Ausgabenübersicht zu führen. An dieser Stelle möchte ich diese gerne teilen. Zu beachten ist, dass die Kostenübersicht keine Ausgaben einschließt, die für die Flüge von Deutschland nach Peking und von Peking nach Deutschland bzw. solche Ausgaben, die mir für oder während meines Aufenthalts in Peking entstanden sind:

  • Koryo Tours: ~ 1.800 €
    Tour inklusive der allermeisten Eintritte, Verpflegung in Vollpension, Visum für die DPRK, Flug Peking > Pjöngjang, Zug Pjöngjang > Peking, Versicherung, Überweisungsgebühren 
  • Sonstige Ausgaben in Nordkorea: ~ 300 €
    Verpflegung abseits der Mahlzeiten aus der Vollpension, Karaoke, Trinkgelder (sehr überschaubar!), einige (wenige) Tickets (u. a. Freizeitpark, Juche Tower), Souvenirs und Postkarten

Für die Flüge von Hamburg nach Peking und zurück sowie für die Hotels, Eintritte, Verpflegung usw. in Peking habe ich darüber hinaus für vier Tage und vier Nächte rund 900 Euro bezahlt.

Insgesamt kommen wir damit für die gesamte Reise auf rund 3.000 Euro.

Anhang II: Mitreisende

Gibt es den typischen Nordkorea-Touristen?

„Da können doch nur Leute hinfahren, die nicht ganz dicht sind!“ – Noch sehr gut erinnere ich mich an diesen Satz eines Bekannten, mit dem ich mich über die Reise im Vorfeld unterhalten habe. Ich selbst hatte ehrlich gesagt keine Vorstellung, wer wohl nach Nordkorea reist, will aber zumindest im Groben versuchen, eine Idee dessen zu vermitteln und einfach mal einige Charaktere beschreiben.

Insgesamt besteht unsere Gruppe aus rund 30 Leuten. Sie kommen überwiegend aus Ländern der „ersten Welt“, sind zwischen 20 und 60 Jahre alt und haben alle eines gemeinsam: Die Neugierde auf ein Land, über das die meisten nur wissen, wie das politische Oberhaupt heißt. Im Folgenden ein Auszug aus der Gruppe:

  • Ein Frührenter aus Australien, irgendwo um die fünfzig Jahre alt und ehemals in der Finanzbranche tätig.
  • Eine Britin, Geschäftsführerin einer Designagentur, ungefähr in den Vierzigern.
  • Ein Mexikaner mit einer Leidenschaft für das Fotografieren – Beruf: Händler für alte / ältere / antike Münzen.
  • Ein Pilot aus den USA, irgendwo Ende 20, mit dem Wunsch, ungewöhnliche Reiseziele zu entdecken.
  • Eine junge Frau aus Deutschland, die zwischen zwei Jobs eine längere Reise durch Fernost macht und vorher Sportreisen und Kreuzfahrten verkauft hat.
  • Ein Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Australien, Mitte 20.
  • Eine Englisch-Dozentin, ebenfalls aus Australien & bestens mit immer guter Laune ausgestattet.
  • Ein sympathischer Schweizer aus der Finanzbranche, Alter etwa zwischen Ende 20 und Anfang 30.
  • Ein politisch wahnsinnig interessierter und gebildeter Neuseeländer Mitte 20 mit einem Faible für Staaten, die kommunistisch oder sozialistisch sind oder waren.

Zum Schluss noch eine Empfehlung für alle, die noch mehr Bilder sehen wollen:
Dominik Schwarz gibt in seinem Reisebericht zu Nordkorea aus dem Jahr 2013 auf 62 Bildern weitere Eindrücke. Den Bericht gibt es auf seiner Website.

Fragen, Anmerkungen, Anregungen? Dann freue ich mich auf Kommentare!